04.02.2026
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Aus dem Wuh-Testrevier

Was Papier verrät

Seit Jahren nimmt das WuH-Testrevier an einer revierübergreifenden Drückjagd teil. Auf dieser Jagd zeichnen die Schützen ihren Anlauf auf. Heiko Hornung zeigt, wie die Standprotokolle ausgewertet werden und welche Hinweise sie für die nächste Jagd liefern.

Was Papier verrät

Bild: Michael Stadtfeld

Der Tag im Dezember, an dem morgens die Hörner im Hasenbachtal klingen, ist ein besonderer. Nicht nur, weil dieser monatelang penibel vorbereitet wurde. An diesem Tag soll auf der revierübergreifenden Jagd, an der seit vielen Jahren 6 Reviere teilnehmen, richtig Strecke gemacht werden.
Rund 25 Schützen wollen im Revier richtig platziert sein. Sie sollen nicht nur reichlich Anblick haben, sondern, wenn möglich, auch zu Schuss kommen. Bislang hat dies auch immer gut funktioniert. Nur 6 Schützen gingen bei der Jagd 2025 als Schneider nach Hause. Nur einer hatte auf einem Fernwechsel keinen Anblick.
Dass dem so ist, verraten uns nach der Jagd nicht nur die Schützen in Einzelgesprächen, sondern auch ihre Standprotokolle, die jeder Ansteller den Jägern bei der Einweisung auf ihrem Stand zusammen mit einem Bleistift aushändigt. Darauf notieren die Standschützen, wann Wild angewechselt ist, was und wie viele Stücke es waren und ob sie diese beschossen haben. In den Tagen nach der Jagd und noch vor der Nachbesprechung mit den Jagdleitern der anderen Reviere werte ich die Protokolle aus.
Ich kann daraus sehen, in welchem Abschnitt des 3,5-stündigen Treibens am meisten Bewegung war.
 

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Der Schütze hat eine Sau erlegt. Doch interessant ist auch, was er noch in Anblick hatte. (Bild: Michael Stadtfeld)
 
Das lässt u. a. Rückschlüsse darauf zu, wann die Treiber und Hundeführer – deren Laufwege und Zeitetappen ebenfalls bekannt sind – wie gewirkt haben. Dazu zählen natürlich auch die Bewegungen der Nachbarn in Grenznähe.
Soweit besondere Stücke, bspw. ein Rudel Damwild oder eine Rotte Sauen mit einer bestimmten Kopfzahl, vorkommen, können aufgrund der Zeit- notizen auf den Standprotokollen deren Wechsel nachvollzogen werden und auch, ob diese irgendwo plötzlich verschwunden sind. Damit wäre klar, dass sie einen Weg aus dem Treiben gefunden haben, der uns möglicherweise bislang unbekannt war.
Es ist interessant, wie v. a. Sauen diese erfolgreichen Fluchtwechsel abspeichern und wieder nutzen. Ein im nächsten Jahr dort platzierter Schütze kehrt auf den Streckenplatz meist mit einem Lächeln zurück.
 

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Am Ende der Jagd werden Standprotokolle von den Anstellern wieder eingesammelt. (Bild: Michael Stadtfeld)

Nicht jeder Anlauf lässt sich von den Jägern verwerten. Rehwild ist oft flüchtig, Sauen sind eventuell zu weit und zu schnell. Wenn ein Protokoll mit Notizen überquillt, ohne dass der Schütze erfolgreich war, kann dies 2 Gründe haben: Der Schütze war aufgrund seiner Fertigkeiten mit dem Stand überfordert, oder der Stand muss möglicherweise verlegt oder aufgegeben werden.Beide Informationen sind für die Planung im Folgejahr wertvoll.
Was sich nicht ablesen lässt: Aufgrund vieler Doppelsichtungen lässt sich der Wildbestand nur vermuten. Mehr als 30 % sind sicher bereits vorher an einem anderen Stand in Anblick gekommen. Doch insgesamt ergibt sich ein Bild, in dem deutlich wird, wo diesmal das Wild lag oder von wo es ein- und wohin es ausgewechselt ist.
Diese Informationen teile ich mit den Nachbarn, weil auch dort die Schützen richtig stehen sollen. Denn es geht in Grenznähe nicht darum, das eigene Revier abzuriegeln, sondern die richtigen Stände zu finden, damit möglichst alle von der gemeinsamen Jagd profitieren.

Autor: Heiko Hornung